Wer möchte ich in dieser Zeit sein?
Ich weiß gerade gar nicht so richtig, wie ich diesen Text anfangen soll.
Wenn ich auf die Zukunft unseres Landes schaue, finde ich vieles beängstigend und besorgniserregend. In vielerlei Hinsicht. Und gleichzeitig merke ich: Ich weiß selbst nicht genau, was ich damit machen soll.
Ich habe nicht viel Ahnung von Politik und möchte hier auch keine politischen Analysen liefern. Aber ich schaue hin, ich lese, höre zu, habe ein Gefühl dafür und ich merke, dass mich vieles nicht mehr loslässt. In meinem Kopf sind tausend Fragen und Unverständnis für das, was sich in Ansätzen vielleicht gerade zu wiederholen scheint; hoffentlich nicht.
Ich dachte: Nie wieder ist jetzt!?
Was mich dabei fast genauso beschäftigt wie das, was gerade passiert, ist die Frage: Wie gehen wir als Gesellschaft damit um?
Manche machen einfach weiter. Sie ignorieren vieles und sagen:
Das Leben muss doch weitergehen. Arbeiten, Einkaufen, sich um die Familie kümmern, Alltag organisieren, das Wochenende planen, Hobbys usw..
Und ja, natürlich muss es das.
Und trotzdem frage ich mich: Was macht es mit uns wenn wir weitermachen, während uns etwas Angst macht?
Vielleicht ist es eine Art Überlebensreaktion
Ein anderer wie eingefroren vor Angst. Vielleicht, weil es zu viel ist, was täglich auf uns einprasselt. Manch einer mag damit überfordert sein, vielleicht auch viele? Unser Nervensystem kennt nicht nur Kampf oder Flucht, sondern auch Erstarrung. Dieses Gefühl von: Was soll ich denn bitte tun? Ich alleine kann doch sowieso nichts verändern.
Ist dieses "sich daran gewöhnen nicht sogar das gefährlichste daran?
Und es gibt Menschen, die sagen: Ich lasse mir mein Licht doch nicht nehmen.
Nicht, weil ihnen alles egal ist. Sondern vielleicht gerade deshalb. Weil sie sich nicht von Angst beherrschen lassen wollen. Weil sie sagen: Genau das dürfen wir nicht zulassen – dass wir klein werden, verstummen und irgendwann nur noch funktionieren.
Und irgendwo dazwischen stehe auch ich.
Denn ich möchte mich nicht daran gewöhnen. Ich möchte nicht abstumpfen. Aber ich möchte auch nicht in Angst leben. Es kommt für mich noch etwas ganz Wichtiges dazu:
Wir haben trotzdem unser eigenes Leben. Und wir haben nur dieses eine, zumindest das was gerade bewusst ist.
Ja, Politik beeinflusst unser Leben. Durch Gesetze, Entscheidungen, wirtschaftliche Entwicklungen und vieles mehr. Es gibt Dinge, die wir nicht kontrollieren können. Und natürlich gibt es Grenzen, die wir nicht einfach ignorieren können.
Aber ich glaube nicht, dass wir deshalb unser gesamtes Leben an das Außen abgeben müssen.
Es gibt dieses Sowohl als auch.
Ich kann politische Entwicklungen beängstigend finden und trotzdem einen schönen Tag haben.
Ich kann mich über Entscheidungen ärgern und trotzdem mein Leben gestalten.
Ich kann Angst vor der Zukunft haben und trotzdem Pläne machen. Ich finde, das muss ich sogar, sonst ist schon jetzt alles vorbei.
Und ich kann mich fragen:
Was liegt noch in meiner Hand? Wie möchte ich leben?
Wofür möchte ich meine Zeit verwenden?
Welche Menschen möchte ich um mich haben?
Wo möchte ich meine Stimme erheben?
Wie möchte ich anderen begegnen?
Und vielleicht gehört es auch dazu, nicht alles im Außen dafür verantwortlich zu machen, wie es mir in meinem Leben geht.
Das klingt vielleicht hart und kann sicherlich triggern. Auch gibt es Situationen, in denen Menschen kaum Handlungsspielraum haben. Es geht mir nicht darum, so zu tun, als könne jeder sein Leben einfach frei gestalten.
Aber genauso wenig möchte ich vergessen, wie viel Einfluss ich selbst noch habe.
Beides darf gleichzeitig wahr sein.
Wir können uns Sorgen um unser Land machen und trotzdem lachen.
Wir können hinschauen und trotzdem leben. Das müssen wir auch - vielleicht mehr als zuvor!
Wir können politisch wach sein und unser eigenes Licht anlassen. DU Auch!
Vielleicht ist genau das gerade unsere Aufgabe: nicht wegzusehen, aber uns auch nicht von Angst unser Leben bestimmen zu lassen.
Denn Gesellschaft passiert nicht nur in Parlamenten. Sie passiert zwischen uns. In Familien, Freundschaften, auf der Arbeit, im Internet, im Gespräch mit dem Nachbarn.
Dort, wo wir entscheiden, ob wir zuhören oder abstempeln.
Ob wir widersprechen, wenn Menschen abgewertet werden.
Ob wir unsere Stimme benutzen und unsere Meinung vertreten oder schweigen.
Ob wir wählen gehen.
Ob wir menschlich bleiben.
Ich weiß noch nicht, was mein persönlicher Weg damit sein wird. Aber ich weiß, dass ich nicht einfach so tun möchte, als würde mich das alles nichts angehen.
Und gleichzeitig möchte ich mein Leben nicht auf später verschieben.
Nicht auf eine Zeit, in der die Welt wieder übersichtlicher und friedlicher ist.
Nicht auf eine Zeit, in der keine Angst mehr da ist. Falls das überhaupt möglich ist
Wir leben jetzt.
Wir haben dieses eine Leben.
Und vielleicht ist das gerade mein persönliches „Was kann ich tun?“:
Ich kann nicht die ganze Welt verändern.
Aber ich kann entscheiden, wer ich in dieser Zeit sein möchte.
Wach.
Menschlich.
Empathisch
Verantwortungsvoll.
Und trotzdem lebendig.
Ich kann meinen kleinen Teil dieser Welt so gestalten, dass Angst nicht das letzte Wort bekommt.
Nie wieder ist nicht irgendwann.
Nie wieder ist JETZT.
Und vielleicht bedeutet das für mich heute ganz einfach:
Wach bleiben.
Menschlich bleiben.
Empathie zeigen
Mein Leben leben.
Diese Zeilen mit dir teilen.
Und das Licht anlassen.
Machst du mit?
Gerade jetzt!


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